Science March 2025

Wir zelebrieren Tenet V

Lasst uns Tenet V feiern! Die Frühlings-Tagundnachtgleiche steht vor der Tür, und es ist an der Zeit, die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu bestaunen.


Wissenschaft und Aufklärung haben uns nicht nur aus der Finsternis der Ahnungslosigkeit befreit, sondern auch unser Verständnis für die Welt, unseren Lebensstandard und unsere Gesellschaft dramatischer verbessert als jede andere Entwicklung in der Geschichte der Menschheit. Bildung ist der einzige Weg, um uns nachhaltig aus dem Griff von Armut, Tyrannei, Aberglauben und anderen Systemen der Unterwerfung zu befreien, in die wir hineingeboren wurden. Deshalb sind sowohl die Wissenschaft als auch die Demokratie ständigen Angriffen von Tyrannen ausgesetzt. Sie müssen aktiv gelebt, verteidigt und gehegt werden wie ein Garten, um zu überleben. Pflegen wir unsere Gärten, nehmen wir den luziferischen Impuls auf und essen wir vom Baum der Erkenntnis! Tun wir es auch mit Stil und widmen wir die Woche um die Frühlings-Tagundnachtgleiche unseren liebsten goetischen Dämonen des Wissens:

  • 17. März: Beiträge über die Naturwissenschaften und MINT-Fächer, im Namen von Andrealphus, auch bekannt als Adrammelech: Ein höllischer Marquis, von dem gesagt wird, dass er in Form eines Pfaus erscheint und großen Lärm macht. Oh, und er beaufsichtigt auch die Garderobe des Satans. Wer ihn herbeiruft, dem wird nachgesagt, dass er in der Lage ist, Wissen über Geometrie, Metrologie und Astronomie zu vermitteln und Menschen in Vögel zu verwandeln, damit sie fliegen können.
  • 18. März: Beiträge über Geschichte, Geowissenschaften und Archäologie im Namen von Aamon: Auch ein höllischer Marquis, wird gesagt, mit Wissen über die Vergangenheit und die Zukunft, das er an diejenigen weitergibt, die einen Pakt mit Satan schließen. Er soll in verschiedenen Gestalten erscheinen, z. B. als Wolf mit Schlangenschwanz und auch als Mann mit Widderhörnern.
    Er sei Dämon des Lebens und der Fortpflanzung. Früher soll er als der altägyptische Sonnen-, Fruchtbarkeits- und Schöpfungsgott Amun gewirkt haben.
  • 19. März: Beiträge über die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Psychologie und Linguistik im Namen von Paimon: Ein Höllenkönig, wie es heißt, der dem Satan besonders treu ergeben ist, mit einer kostbaren Krone und einem „verweiblichten Gesicht“ – Möglicherweise eine Drag-Queen? Paimon erscheine nur, wenn man sich nach Nordwesten wendet, erschiene dann aber mit großem Gebrüll und einer Schar von Dämonen, die Musikinstrumente spielen.
  • 20. März: Vorträge und Diskussionen während TST Germany’s Witching Hour. 20-minütige Vorträge, gefolgt von jeweils Zehnminütigen Diskussionen.
  • 21. März: Wissenschaftsfilmabend online.
  • 23. März: W.R.A.I.T.H. Diskussion über Wissenschaft innerhalb des TST.

Andrealphus präsentiert: Acht Beine, ein Ruf

Vogelspinnen. Haarig, acht Beine, aggressiv und riesig groß. Nun, daran denken bestimmt eine Menge Leute, wenn sie sich diese uralten Achtbeiner vorstellen. Und tatsächlich ist diese Vorstellung gar nicht so weit von der Realität entfernt. Vogelspinnen sind im Vergleich zu unseren einheimischen Spinnen in der Regel wesentlich größer. Auch haben manche Arten ein sehr hitziges Temperament. Und acht Beine und haarig? Ja, auch das ist akkurat. Warum diese Tiere allerdings absolut faszinierende Lebewesen sind, welche bereits seit Millionen von Jahren auf unserer Welt in nahezu unveränderter Form existieren, möchte ich in diesem Artikel vorstellen. Also liebe Leser𖤐innen, begeben wir uns auf eine Reise in die Welt von lebenden Fossilien, beeindruckenden Architekten und Tieren mit einer Geduld, die selbst das Warten auf einen verspäteten Zug als Kleinigkeit erscheinen lässt.

Was ist eine Vogelspinne?

Mit dem Wort „Vogelspinne“ ist eine ganz bestimmte Familie von Spinnen gemeint. Wie viele andere wirbellose Tiere gehören Vogelspinnen zu den Gliederfüßern/Arthropoda. Sie besitzen ein festes Exoskelett aus Chitin, welches ihnen Stabilität verleiht. Zusammen mit Skorpionen, Milben, Pseudoskorpionen und einigen mehr bilden Spinnen die Gruppe der Spinnentiere/Arachnida. Vogelspinnen selbst gehören mit allen anderen Webspinnen zu den echten Spinnen/Araneae. Alle echten Spinnen haben die Fähigkeit, mit Hilfe ihrer Spinnendrüsen am Hinterleib, Spinnseide zu produzieren. Zusammen mit u. a. der berüchtigten Sidney-Trichternetz-Spinne bilden die eigentlichen Vogelspinnen die Unterordnung der Vogelspinnenartigen/Mygalomorphae.

Vogelspinne der Art Acanthoscurria geniculata (Bild: Celine Fallenangel).

Globale Verbreitung in Urlaubsgebieten

Viele Menschen zieht es im Urlaub in die warmen Regionen unserer Welt. Vogelspinnen tun es uns dabei gleich, nur dass sie dauerhaft in den tropischen und subtropischen Regionen vieler Kontinente leben. Ob in Nord- und Südamerika, Afrika oder Asien, Europa oder Australien, Vogelspinnen kommen in den unterschiedlichsten Lebensräumen vor, ob in der Wüste, in Regenwäldern oder in verfallenen Mauerwerken menschlicher Behausungen. Nur auf dem Kontinent der Antarktis kommen keine Vogelspinnen vor.

Achtbeinige Architekten

Wie bereits gesagt sind Vogelspinnen als Gruppe nicht allzu wählerisch, wenn es um ihren Lebensraum geht. Wenn es allerdings um ihre Behausung geht, so haben Vogelspinnen durchaus unterschiedliche Anforderungen. Hierbei können wir drei unterschiedliche Lebensweisen unterscheiden. Baumbewohnende Vogelspinnen leben in Astlöchern oder z. B. hinter geplatzter Baumrinde. Manche Arten rollen Blätter zusammen und befestigen sie mit Spinnseide und wieder andere nutzen hierbei Erde, Rindenstücke oder Moos, um ihr Nest zu tarnen. Bodenbewohnende Vogelspinnen leben auf dem flachen Boden unter Steinen, Totholz oder an löchrigen Mauern. Meistens graben sie eine kleine Höhle, befestigen die Innenwände mit Spinnseide und verschließen den Eingang mit Erde, Laub o. ä., wenn sie nicht gestört werden wollen. Im Boden lebende Vogelspinnen bauen tiefe Röhren ins Erdreich, die ihnen als Heim dienen. Wie tief diese Röhren gehen, hängt u. a. von der Feuchtigkeit des Bodens ab und von der Art der Vogelspinne. Vertreter der Gattung Pelinobius beispielsweise graben bis zu zwei Meter tief in die Erde.

Vogelspinne der Art Tliltocatl albopilosus am Eingang ihres Baus (Bild: Celine Fallenangel).

Geduldige Lauerjäger

Zwei Wörter die Vogelspinnen meiner Meinung nach am besten beschreiben, sind geduldig und standorttreu. Wenn die Dunkelheit hereinbricht, begeben sie sich an den Eingang zu ihrem Nest oder verweilen in der direkten Umgebung und warten auf Beute. Aktiv auf die Jagd gehen Vogelspinnen nur selten, es sei denn, sie sind völlig ausgehungert und benötigen dringend Nahrung. Dabei sind Vogelspinnen nicht wählerisch. Sie fressen alles, was sie überwältigen können. Insekten, Spinnen, kleine Eidechsen, Nager u. ä. stehen alle auf dem Speiseplan. Nähert sich potenzielle Beute, nehmen Vogelspinnen diese über feine Schwingungen wahr. Sie besitzen nämlich einen überaus scharfen Tastsinn. Feine Fäden aus Spinnseide, welche die Vogelspinne in ihrer Umgebung gesponnen hat, nehmen selbst kleinste Vibrationen auf und verraten ihr, ob es sich um Beute oder um einen viel zu großen Fressfeind handelt. Viele kleine Sinneshärchen, die den Körper der Vogelspinne bedecken, führen den Tastsinn sogar noch weiter. Mit Hilfe dieser Haare kann die Vogelspinne auch kleinste Luftbewegungen in ihrer Umgebung wahrnehmen. So kann es ihr auch gelingen, Beute im Flug zu fangen, z. B. Motten und andere fliegende Insekten. Dieser gut ausgeprägte Tastsinn ist essentiell für Vogelspinnen, da ihr Augenlicht wirklich einiges zu wünschen übriglässt. Tatsächlich sind Vogelspinnen beinahe blind und können häufig nur hell und dunkel unterscheiden. Und sollte eine Nacht mal kein Glück bringen, ziehen sich Vogelspinnen wieder in ihr Nest zurück. Selbst wenn viele Nächte hintereinander keine Beute vorbeiläuft, stört das diese Tiere nicht. Auf Grund ihres sehr langsamen Stoffwechsels können erwachsene Vogelspinnen wochen- oder monatelang ohne Beute auskommen. Wenn sich dann doch einmal Beute in der Nähe befindet, stoßen Vogelspinnen in atemberaubender Geschwindigkeit zu und greifen ihr Opfer mit den Tastern, welche sich unmittelbar links und rechts von ihren Klauen befinden. Dann beißen sie mit ihren zwei Kieferklauen, auch Cheliceren genannt, zu und injizieren ihr Gift. Das Gift hat weniger die Aufgabe, die Beute tatsächlich zu töten, als vielmehr die Beute von innen heraus zu verflüssigen, damit die Vogelspinnen sie danach im Schutz ihres Nestes quasi aufsaugen können.

Vogelspinne der Art Acanthoscurria geniculata beim Erlegen einer Schabe (Bild: Celine Fallenangel).

Liebhaber mit Todesfolge

Die Fortpflanzung bei Vogelspinnen ist sowohl faszinierend als auch hin und wieder tödlich, wobei letzteres eher auf männliche Vogelspinnen zutrifft. Aber starten wir besser beim Anfang. Die Geschlechtsreife tritt bei Vogelspinnen ab einer bestimmten Größe ein, welche bei jeder Art individuell ist. Auch kann man allgemein sagen, dass Männchen schneller geschlechtsreif werden als die Weibchen. Ab einer bestimmten Größe verlassen männliche Vogelspinnen ihr Nest und begeben sich auf Partnersuche. Weibliche Vogelspinnen, welche die Geschlechtsreife erlangt haben, geben Pheromone ab, wodurch sie signalisieren, dass sie paarungsbereit sind. Sobald ein Männchen diese Pheromone wahrnimmt, beginnt der eigentliche Drahtseilakt. Im eigenen Interesse muss das Männchen nun sehr vorsichtig handeln, um nicht auf dem Speiseplan des Weibchens zu enden. Vorsichtig nähert er sich der Höhle des Weibchens. Dabei bewegt er seine Beine so, dass ganz bestimmte Schwingungen von den Fäden, die das Weibchen in der Umgebung ihres Heims gesponnen hat, übertragen werden. Diese Art und Weise der Bewegung ist spezifisch für jede Art von Vogelspinne, und signalisiert dem jeweiligen Weibchen, dass ein potenzieller Partner auf dem Weg zu ihr ist. Bei Interesse verlässt das Weibchen ihr Nest, woraufhin das Männchen direkten Kontakt zu ihr aufnimmt. Er stemmt das Weibchen ein wenig hoch und führt seine Taster, welche auch gleichzeitig seine Fortpflanzungsorgane sind, in die Geschlechtsöffnung des Weibchens ein. Dieser Akt kann ein paar Sekunden oder wenige Minuten dauern. Nach erfolgreicher Paarung trennt sich das Männchen blitzschnell vom Weibchen und entfernt sich schleunigst aus der Umgebung, da die größeren und massigeren Vogelspinnenweibchen häufig sehr aggressiv auf Eindringlinge in ihr Revier reagieren. Nach der Paarung reifen im Körper des Weibchens die Eier heran. Nach einigen Wochen oder Monaten legt das Weibchen die Eier ab und hüllt diese in einen Kokon aus Spinnseide ein. Dabei können, abhängig von Art und Körpergröße des Weibchens, mehrere hundert Eier dabei sein. Die Jungtiere schlüpfen nach einigen Wochen oder Monaten und durchlaufen dabei einige Entwicklungsstadien, bevor sie die Behausung des Weibchens verlassen. Solange sich die Jungtiere im Kokon befinden, und auch noch kurze Zeit danach, werden sie aufopferungsvoll von dem Weibchen beschützt. Ab einer bestimmten Größe müssen sie jedoch ihr Heim verlassen und sich einen eigenen Unterschlupf suchen, da sie ansonsten Gefahr laufen, von ihrer Mutter gefressen zu werden.

Vom Jungtier bis zur erwachsenen Spinne brauchen unterschiedliche Arten unterschiedlich lange. Kleinere Arten sind vielleicht nach einem Jahr geschlechtsreif, wohingegen größere Arten, wie z. B. Brachypelma hamorii, bis zu sieben Jahre brauchen, um die entsprechende Größe zu erreichen. Allgemein kann man sagen, je größer eine Vogelspinne wird, desto höher ist auch ihre Lebenserwartung. Einige Arten, wie z. B. Grammostola rosea, können in Gefangenschaft ein Alter von über 20 Jahren erreichen. Dazu muss man sagen, dass nur die Weibchen ein so hohes Alter erreichen. Männchen sterben in der Regel kurz nach dem Erreichen der Geschlechtsreife, sei es durch die Klauen eines Weibchens oder durch Umwelteinflüsse, wie z. B. schlechtes Wetter.

Vogelspinnen = tödlich?

Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass Vogelspinnen hochgefährliche Tiere sind, die einen Menschen umbringen können. Bis heute gibt es keinen einzigen dokumentierten Fall, bei welchem der Biss einer Vogelspinne tatsächlich zum Tod einer Person geführt hat. Die meisten berichten beim Biss einer Vogelspinne von lokalen Schwellungen um die Bisswunde herum und Schmerzen, vergleichbar mit dem eines Bienen- oder Wespenstichs. Außerdem beißen Vogelspinnen nicht einfach so zu. Erst wenn sie keine Rückzugsmöglichkeit mehr haben und Drohungen keine Wirkung zeigen, greifen sie an. Vorher werden Vogelspinnen durch Flucht versuchen zu entkommen. Sollte das nicht funktionieren, nehmen sie eine Drohhaltung ein, wobei sie sich auf die Hinterbeine stellen und ihre Fangzähne präsentieren. Manche Arten klopfen dann noch laut auf dem Boden oder unternehmen Scheinangriffe. Andere Arten, wie z. B. die Vertreter der Gattung Theraphosa, geben auch zischende Laute von sich. Erst wenn all das nicht funktioniert, setzen Vogelspinnen ihre Giftzähne ein. Die Arten auf den nord- und auf den südamerikanischen Kontinenten verfügen noch über eine weitere Art der Verteidigung. Diese besitzen sogenannte Brennhaare auf ihrem Hinterleib, welche sie bei Gefahr mit den Hinterbeinen abstreifen können. Diese Brennhaare verursachen unangenehme Rötungen und Juckreiz auf der Haut und können sehr schmerzhaft sein, wenn sie auf die Schleimhäute oder in die Augen geraten. Etwas, was ich bei der Haltung von Vogelspinnen seit mittlerweile über zehn Jahren, am eigenen Leib erfahren durfte.

Fun Facts über Vogelspinnen

Nun konnten wir uns ein Bild von diesen faszinierenden Achtbeinern machen. Jetzt ist es an der Zeit für interessante und wissenswerte Fakten rund um diese lebenden Fossilien.

  1. Vogelspinnen existieren seit Millionen von Jahren auf unserer Welt. Die frühesten Fossilien, welche gesichert von Vogelspinnen stammen, datieren 120 Millionen Jahre zurück.

  2. Die größte Vogelspinne der Welt gehört zu der der Art Theraphosa blondi, auch Goliath Vogelspinne genannt, wobei ausgewachsene Weibchen eine Körpergröße von ca. zwölf Zentimetern und eine Beinspannweite von rund 30 cm erreichen können.

  3. Der Begriff „Vogelspinne“ geht vermutlich auf einen Kupferstich der Naturforscherin Maria Sibylla Merian zurück, welcher eine große Spinne zeigt, die einen Kolibri verspeist. Diesen Kupferstich hat sie im Jahr 1705 in ihrem Werk Metamorphosis Insectorum Surinamensium veröffentlicht. 

  4. Wie bereits erwähnt können Vogelspinnen eine lange Zeit ohne Nahrung auskommen. Machen sie besonders große Beute, wie z. B. eine Maus, können die darin enthaltenden Nährstoffe die Spinne für möglicherweise ein ganzes Jahr versorgen.

  5. Wie alle Tiere mit einem festen Außenskellet müssen sich Vogelspinnen in ihrem Leben häuten, um zu wachsen. Dieser Vorgang kann gerade bei großen Tieren mehrere Stunden dauern und ist ungemein kräftezehrend. Nach der Häutung ist eine Vogelspinne sehr weich und verletzlich. In dieser Zeit pumpt sie Blut verstärkt durch ihren Körper, um sich auszudehnen und an Masse zuzunehmen.

  6. Da wir gerade über Blut reden. Vogelspinnen besitzen einen offenen Blutkreislauf ohne Blutgefäße. Ihr Herz pumpt das Blut durch den gesamten Körper, wonach es wieder zum Herzen zurück sickert.

  7. Vogelspinnen sind strenge Einzelgänger. Außer zur Paarung oder in sehr seltenen Ausnahmefällen dulden sie keine Artgenossen in ihrer Umgebung.

  8. Die Kieferklauen von Vogelspinnen verlaufen senkrecht und öffnen sich nach oben. Dadurch kann man leicht Vogelspinnen von anderen, erdgeschichtlich jüngeren, echten Spinnen unterscheiden, da die Kieferklauen anderer Spinnen horizontal verlaufen und sich zu den Seiten hin öffnen, in einer zangenähnlichen Bewegung.

  9. Offiziell sind der Wissenschaft etwa 1000 verschiedene Arten von Vogelspinnen bekannt, welche sich auf insgesamt 156 verschiedene Gattungen verteilen (Stand 2023).

  10. Vogelspinnen können verlorene Gliedmaßen wieder regenerieren. Ein verlorenes Bein wächst nach der nächsten Häutung etwas kleiner nach und nach spätestens zwei bis drei Häutungen, ist das Bein wieder vollständig hergestellt.

Nun denn, geschätzte Leser⛧innen, es gibt noch vieles mehr über Vogelspinnen zu lernen. Schließlich werden ganze Bücher über diese faszinierenden Achtbeiner geschrieben, aber das liegt leider außerhalb meiner Möglichkeiten. Ich halte seit mittlerweile über zehn Jahren Vogelspinnen als Haustiere und meine derzeit älteste Spinne habe ich, seit ich 18 war. Es freut mich immer ungemein, wenn ich meine Leidenschaft teilen kann, und ich hoffe, ich konnte euch diese lebenden Fossilien ein wenig näherbringen. In diesem Sinne, bleibt neugierig und hört niemals auf zu lernen und euch für etwas zu begeistern!

Vogelspinne der Art Brachypelma emilia (Bild: Celine Fallenangel).

Beitrag von: Celine Fallenangel

Geschlechtsspezifische Aspekte der Sprachkommunikation

Wusstest du, dass männliche und weibliche Stimmen teilweise in unterschiedlicher Qualität übertragen werden? Jan Holub von der Tschechischen Technischen Universität hat ein hochkarätiges NATO-Stipendium erhalten, um ein Problem zu untersuchen, bei dem einige bestehende Kommunikationstechnologien weibliche Stimmen hinsichtlich des Höraufwands weniger effektiv übertragen als männliche Stimmen. Dies kann in Bereichen wie der Luftfahrt und der Sicherheit von entscheidender Bedeutung sein. Seine Forschung wird nicht nur Licht in diese Ungleichheit bringen, sondern auch zur Entwicklung neuer Sprachcodierer beitragen, die sicherstellen, dass männliche und weibliche Stimmen in gleicher Qualität übertragen werden. Ein großer Schritt hin zu besseren und sichereren Kommunikationssystemen!

Quelle: Professor Jan Holub from FEE CTU received a NATO grant for research on gender aspects of voice communication

Beitrag von: Adelfina (Satanic Austria), übersetzt aus dem Englischen

Krebsneurobiologie

Hirntumoren wie Gliome zählen zu den aggressivsten und therapieresistentesten Krebsarten. Eine neue Entdeckung verändert nun unser Verständnis dieses Krankheitsbildes. Michelle Monje und Frank Winkler, die Preisträger des „The Brain Prize 2025“, haben herausgefunden, dass Hirntumoren die neuronalen Netzwerke des Gehirns kapern, um ihre eigene Ausbreitung voranzutreiben. Diese Entdeckung hat zur Entstehung der Krebsneurobiologie geführt, einem neuen Forschungsgebiet, das Neurowissenschaften und Onkologie miteinander verbindet.

Warum ist ihre Entdeckung so wichtig? Wir können nun verstehen, wie Tumoren synaptische und elektrische Kommunikation nutzen, und darauf basierend neue Behandlungsmethoden entwickeln. Dies gibt Hoffnung auf bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten und die Chance, neue Strategien im Kampf gegen Krebs zu entwickeln.

Quelle:Michelle Monje and Frank Winkler – The Brain Prize 2025

Beitrag von: Adelfina (Satanic Austria)

Aamon präsentiert: Aamon – Alt und Ägyptisch?

Aamon, Amon, Ammon, Amoun, Amun… das klingt alles sehr ähnlich und verführt uns schnell dazu zu glauben, es handele sich bei allen um ein und dasselbe: Ein Dämon aus spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher, dämonologischer Literatur, entstanden aus einem altägyptischen Gott. Und es erscheint so passend. Wurden nicht alte Götter pauschal zu Dämonen degradiert, sobald das Christentum Einzug hielt?

Doch anderseits… es gibt auch viele Menschen, die Müller, Miller, Möller oder ähnlich heißen und außer dem ähnlich klingenden Namen so gar nichts gemeinsam haben müssen. Und wenn pauschal alte Götter vom Christentum zu Dämonen erklärt wurden, warum haben wir dann in der frühen Neuzeit in Europa einen Dämon namens Aamon, aber keinen namens Wotan oder Juppiter oder ähnlich? Wäre es nicht viel naheliegender einen ehemals heimischen Gott unter den europäischen Dämonen zu finden, als ausgerechnet einen altägyptischen?

Nur wie herausfinden? Nun, genau für diese Fälle braucht es die historischen Wissenschaften und die wenden wir jetzt einfach mal life und in Farbe, hier und jetzt zur Feier des Tages an.

Auf Spurensuche

Schauen wir zuerst einmal von wo und von wann unsere Informationen zu einer dämonischen Figur namens Aamon stammen. Fangen wir dazu ganz simpel bei Wikipedia an. In der englischen Version steht, auf deutsch übersetzt: „die Namen Aamon und Amon stammen von dem libysch-berberischen Oasengott Amun oder dem punischen Gott Baal-Hammon von Karthago.“ Für Amun von Siwa, dem Oasengott, wird eine Fußnote angefügt, für Baal-Hammon keine – also können wir letztere Behauptung gleich wieder streichen, denn in den Geschichtswissenschaften gilt grundsätzlich: was ohne Belege behauptet wird, kann auch ohne Belege verworfen werden. Es kommt in den Geschichtswissenschaften immer auf die Belege an, denn behaupten lässt sich vieles. Also schauen wir einmal, was sich hinter der Fußnote versteckt: dort heißt es „Pausanias, Description of Greece x.13 § 3“, es wird also auf einen antiken Text verwiesen. Schlagen wir mal nach, was dort steht, im Original auf altgriechisch, hier übersetzt auf deutsch: „Die Jäger, die professionelle Bändiger sind, bringen den Tieren, während sie liegen, Früchte der kultivierten Kiefer, nachdem sie zuvor die innere Schale entfernt haben. Im Moment rühren die Tiere kein anderes Futter an. Schließlich binden sie ihnen Stricke um und führen sie weg.“ Aha. Interessant. Aber warum eigent sich diese Textstelle nun als Beleg dafür, dass Amun von Siwa der Namensgeber für den Dämon Aamon ist?

Die Antwort lautet: gar nicht. Der antike Text, aus dem hier zitiert wird, heißt nicht umsonst „Beschreibung von Griechenland“ und als ich das letzte Mal auf eine Karte gesehen habe, lag Siwa noch in Nordafrika. Die Fußnote macht also nichts anderes als wissenschaftlich auszusehen, belegen tut sich jedoch gar nichts. Das mag in diesem Fall ein Fehler sein, denn Menschen unterlaufen nunmal Fehler und es ist nicht gestattet, bösen Willen dort zu unterstellen, wo ein Missverständnis oder ein Fehler zur Erklärung ausreicht. Allerdings gibt es auch Leute, die sich diese Taktik bewusst zu Nutze machen, die ihren Behauptungen Literaturlisten und Fußnoten beifügen, die zwar wissenschaftlich aussehen, aber das Behauptete gar nicht belegen, ja, im schlimmsten Fall sogar widerlegen! Man verspricht sich wohl Glaubwürdigkeit von einem wissenschaftlichen Dekmäntelchen, denn mal ehrlich: wer prüft schon gerne Fußnoten nach? Echte Wissenschaft von Pseudowissenschaft zu unterscheiden ist auf den ersten Blick also gar nicht so einfach, aber die echte erkennt man unter anderem daran, dass die zitierte Literatur tatsächlich auch das enthält, was behauptet wird. Wir haben gerade, zufälligerweise, das beste Beispiel dafür gefunden, wie man es nicht macht.

Über den Ursprung des Dämons Aamon

Der Dämon Aamon, wie er in einer Ausgabe des Dictionnaire Infernal dargestellt wurde (Bild: gemeinfrei)

Nun aber wieder zurück zu Aamon und Amun. Wir sind noch auf der Suche, woher eigentlich unsere Informationen zu einer dämonischen Figur namens Aamon stammen. Also auf zum zweiten Versuch. Im Wikipedia-Artikel wird auch auf mehrere alte Texte verwiesen, die etwas über Aamon aussagen. Zum ersten auf das Dictionaire Infernal von Jaques Collin de Plancy. Das Buch stammt aus dem Jahr 1818. Dort heißt es, französisch im Original, hier in deutscher Übersetzung: „Amon oder Aamon, großer und mächtiger Marquis des höllischen Reiches. Er hat die Gestalt eines Wolfes mit einem Schlangenschwanz; er spuckt Flammen; wenn er menschliche Gestalt annimmt, hat er nur den Körper eines Menschen; Sein Kopf ähnelt dem einer Eule und sein Schnabel weist sehr scharfe Eckzähne auf. Er ist der stärkste der Dämonenfürsten. Er kennt die Vergangenheit und die Zukunft und versöhnt, wenn er will, entfremdete Freunde. Er befehligt vierzig Legionen. Die Ägypter sahen in Amon oder Amoun ihren höchsten Gott; Sie stellten ihn mit blauer Haut dar, in einer ziemlich menschlichen Form.“ Hier wird nichts von Amun von Siwa gesagt, sondern allgemein auf den altägyptischen Amun verwiesen. Einen Beleg für diese Behauptung finden wir erneut nicht. Es wird einfach behauptet. Und das in einer Zeit, in der das alte Ägypten in Frankreich gerade in Mode war, denn just in dieser Zeit wurde auf Basis der gesammelten Informationen von Napoléons Ägyptenfeldzug die Description de l’Égypte, ein monumentales, mehrbändiges Werk über Ägypten und seine Altertümer veröffentlicht. Und den Namen „Amun“ kannte man auch in dieser Zeit, vor der Entzifferung der Hieroglyphen, noch aus alten griechischen und römischen Texten, wie ein Blick in eines der größten Universallexika des 18. Jh., den Zedler, beweist. Ein Beleg dafür, dass dieser Dämon wirklich etwas mit dem altägyptischen Gott zu tun hat ist das also noch nicht.

Aber der Wikipedia-Artikel nennt noch weitere Texte. Vielleicht werden wir hier fündig. Zum einen wird noch auf die Lemegeton Clavicula Salomonis aus dem 17. Jh. und zum anderen auf das Pseudomonarchia Daemonum von Johann Weyer aus dem Jahr 1577 verwiesen. Beide Textabschnitte sind inhaltlich sehr ähnlich, daher hier nur der ältere von Johann Weyer, im Original auf Latein, hier in deutscher Übersetzung: „Amon oder Aamon, ein großer und mächtiger Marquis, erscheint in der Gestalt eines Wolfes mit einem schlangenartigen Schwanz und speit Flammen. Wenn er jedoch die Gestalt eines Menschen annimmt, zeigt er hundeähnliche Zähne und einen Kopf, der einem großen Nachtraben ähnelt. Er ist ein äußerst starker Fürst, der die Vergangenheit und die Zukunft versteht und daher die Gunst sowohl von Freunden als auch von Feinden zu gewinnen vermag. Er herrscht über vierzig Legionen.“ Na, sowas… das klingt aber verdächtig ähnlich zu dem, was auch Jaques Collin de Plancy geschrieben hat. Damit ist zumindest klar, wo er seine Informationen her hatte, wenn man nicht sogar sagen möchte, von wo er abgeschrieben hat, denn das dürfte es ganz gut treffen. Nur sagen die beiden älteren Texte nichts über den altägyptischen Gott Amun oder überhaupt nur etwas über Ägypten aus. Die Lemegeton Clavicula Salomonis gibt als einzige zusätzliche Information, im Vergleich zu den beiden zitierten Texten, nur noch ein Sigel für Aamon an, das ebenfalls nichts ägyptisches an sich hat. Mehr nicht. Das untermauert den Verdacht, dass Jaques Collin de Plancy den Hinweis zum altägyptischen Amun selbst eingefügt hat – ganz ohne einen Beleg dafür zu haben, einfach weil er den Namen im Zuge der Ägyptenbegeisterung seiner Zeit kannte.

Nun fußt Johann Weyers Text auf dem älteren Liber Officiorum Spirituum von dem Fragmente verschiedener Versionen und Erwähnungen in anderen Schriften bis zurück ins 15. Jh. belegt sind. Danach, oder sollte ich lieber sagen, „davor“, ist Schluss. Kein anderer, älterer, mittelalterlicher Text scheint etwas von einem Dämon namens Aamon zu wissen.

Das heißt natürlich nicht, dass die Idee eines Dämons namens Aamon nicht älter sein kann. Ganz im Gegenteil muss man sogar davon ausgehen, dass es zuerst diese Idee gab, die dann später einmal aufgeschrieben wurde. Allerdings sollte man nicht glauben, dass sich Jahrhunderte oder gar Jahrtausende lang von einem Dämon namens Aamon erzählt wurde, ohne dass er jemals seine Spuren in irgendeinem schriftlichen Dokument hinterlassen hätte, das, so viel muss man natürlich noch einschränken, bis heute erhalten ist oder von dessen Existenz wir heute wenigstens noch aus anderen Dokumenten wissen. Jahrhunderte oder Jahrtausende alte mündliche Überlieferungsketten sind nicht mehr als eine hübsche Idee. In den modernen historischen Wissenschaften hat sich mehr als einmal gezeigt, dass sich mündliche Erzählungen in der Regel maximal Jahrzehnte, vielleicht ein Jahrhundert halten, ohne ihren Inhalt komplett zu verlieren und zu einem bloßem Mythos zu werden, bei dem vielleicht noch ein wahrer Kern enthalten sein mag, den man aber unmöglich mehr herausarbeiten kann, egal mit welcher Methode, wenn nicht noch weitere Quellen und Belege parallel dazu erhalten sind. Mythen eignen sich nicht als historische Quellen. Jedenfalls nicht zu den Epochen, in denen sie vorgeben zu spielen. Die Illias sagt nichts über das bronzezeitliche Troja aus, die Bibel nichts über das bronzezeitliche Ägypten und das Enuma Elisch nichts über die alten Sumerer. Solche Texte eignen sich nur dazu, etwas über die Gesellschaft herauszufinden, in denen sie erzählt wurden, denn sie transportieren oft moralische, politische oder gesellschaftliche Werte – historische Inhalte können sie kaum in brauchbarer Form überliefern. Und das wiederum bedeutet, dass wir nun nicht einfach so tun dürfen, als könnten wir die Lücke an schriftlichen Belegen zwischen dem altägyptischen Gott Amun und dem spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Dämon Aamon einfach durch eine mündliche Überlieferungstradition füllen, für die wir nicht den geringsten Beweis haben – auch das wäre wieder nur eine Behauptung und die hätte keinerlei Wert, insbesondere bei einer so großen Lücke, denn das alte Ägypten ist doch sowohl zeitlich als auch räumlich ziemlich weit vom Mitteleuropa im Spätmittelalter entfernt…

Über den Gott Amun

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Sitzstatue des Gottes Amun (18. Dynastie), heute im Louvre in Paris (Bild: ABBAndy).

Aber vielleicht hilft es, von der anderen Seite an die Sache heranzugehen. Verfolgen wir doch mal umgekehrt die Spuren des altägyptischen Gottes Amun – vielleicht können wir von dieser Seite aus die Lücke etwas verringern.

Der älteste bekannte Beleg für einen ägyptischen Gott namens Amun stammt aus den sogenannten Pyramidentexten. Die haben ihren Namen daher, dass sie an die Wände von Gängen und Kammern in Königsgräbern der 5. und 6. Dynastie in Ägypten geschrieben wurden – und das waren nun mal Pyramiden. Wie dieser Name urpsrünglich ausgesprochen wurde, ist leider nicht bekannt. Hieroglyphen enthalten keine Vokale, sodass, streng genommen, in den altägyptischen Texten nur jmn als Name dieses Gottes geschrieben steht. In der Ägyptologie wird dieser Name üblicherweise als „Amun“ oder „Amen“ wiedergegeben. Besonders bekannt ist Amun als lokale Gottheit der Stadt Theben. Einige Könige der 12. Dynastie tragen diesen Gott in ihrem eigenen Namen – sie heißen „Amenemhat“. Seine größte Zeit erlebt dieser Gott jedoch ab der 18. Dynastie: er steigt zum höchsten Gott Ägyptens auf. Auch hier tragen Könige ihn wieder im Namen, so zum Beispiel „Amenhotep“ oder „Tutanchamun“. Amuns Tempel wächst über die Jahrhunderte immer weiter, bis er der größte Tempelkomplex Ägyptens wird, an dem sogar noch in der Zeit der Römer weitergebaut wird! Er, dessen Name eigentlich „der Verborgene“ bedeutet, verschmilzt ab seinem Aufstieg zum obersten Gott auch mit allerlei anderen Gottheiten und übernimmt in diesen Rollen deren Eigenschaften. Als Amun-Re wird er wie Re zum Sonnengott, als Amun-Min, wie Min, zum Fruchtbarkeitsgott. Solche Verschmelzungen sind in der altägyptischen Religion durchaus üblich. Die alten Ägypter gingen grundsätzlich eher von einer universellen Göttlichkeit aus, die verschiedene Formen annehmen kann. Da jede Form, nach dieser Weltsicht, also nur ein Ausdruck eines universellen Göttlichen ist, können diese Formen auch kombiniert auftreten, ohne dass sich dabei die einzelne Erscheinungsform auflösen muss. So gibt es zum Beispiel auch den Gott Ptah-Sokar-Osiris, als eigenständige Form, parallel neben den einzelnen Erscheinungsformen Ptah, Sokar und Osiris.

Eine Darstellung des Gottes Amun aus dem Papyrus Harris I (20. Dynastie). Der Text im Bild bezeichnet den Gott als: „Amun-Re, König der Götter, Herr des Himmels, Herrscher von Theben“ (Bild: gemeinfrei).

Ab der 18. Dynastie ist jedenfalls Amun, alleine oder in Kombination mit anderen Göttern, üblicherweise in Verbindung mit Re als Amun-Re, der oberste aller Götter und das sagen die Ägypter selbst von ihm: „Amun-Re, König der Götter“ wird er in zahlreichen Inschriften im ganzen Land und darüber hinaus genannt. Selbst die Könige von Nubien, die Ägypten erobern und als 25. Dynastie das Land beherrschen sollten, waren schon Generationen zuvor Anhänger dieses Gottes, den die Ägypter einst in ihr Land gebracht hatten. Die Griechen erkannten später in Amun, dem obersten der Götter, ohne Probleme ihren eigenen höchsten Gott Zeus wieder und nannten ihn austauschbar Zeus, Amun oder Zeus-Amun, oder vielmehr, nach der griechischen Schreibweise, „Ammon“. In gleicher Weise setzten später auch die Römer Amun mit Jupiter gleich. Alexander I. von Makedonien, üblicherweise „der Große“ genannt, lässt sich selbst mit Widderhörnern darstellen, da er sich nach einem Besuch der Oase von Siwa und deren Amun-Orakel als Sohn des Zeus-Amun sieht – der Widder war eines der Tiere, in deren Gestalt sich Amun zeigen konnte, wie unter anderem eindrucksvolle, von Widder-Sphingen flankierte Prozessionsstraßen in Theben belegen.

In anderen Worten: wir haben keinerlei Problem, den altägyptischen Gott Amun von seiner ersten Nennung im 3. Jt. v. u. Z. bis in die Zeit der Griechen und Römer in Ägypten hinein durchgängig zu belegen. Es gibt praktisch kein Jahrhundert in diesem Zeitraum, in dem Amun nicht in den Quellen genannt würde. Tatsächlich ist er neben Osiris der am beste belegte altägyptische Gott überhaupt! Selbst antike griechische und römische Autoren schreiben über diesen Gott. Und über die griechische und römische Überlieferung lässt sich tatsächlich sogar nachvollziehen, dass Amun, in der Schreibweise „Ammon“, Namensgeber für die Substanz „Ammoniak“ wurde, da die Römer mit diesem Wort ein Salz benannten, dass in der Nähe der Oase Siwa, eben die Oase mit dem Amun-Orakel, gefördert wurde. Auch sind „Ammoniten“, prähistorische Kopffüßer, letztlich nach Amun benannt, da die Römer den Fossilien, aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu einem Widderhorn, den Namen „Amunshorn“ gaben, in der Form Ammonis cornua. Beide Begriffe samt Erklärung finden sich in der naturalis historia von Plinius dem Älteren, ein Text, der von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit hinein stets bekannt war, wie sich aus Abschriften, Zitaten und Erwähnungen in anderen Quellen zeigen lässt. Es gibt auch hier praktisch kein Jahrhundert ohne eine Quelle, die belegt, dass der Text in Europa weiterhin bekannt war und so wurden auch die Bezeichnungen Ammoniak und Ammonit über die Zeiten hinweg erhalten, bis sie nun in ihrer modernen Form gebraucht werden. Eine erklärungsbedürftige Lücke gibt es hier nicht.

Von Amun zu Aamon?

Aber wie sieht es nun mit der Verbindung zum Dämon Aamon aus? Hieroglyphen wurden das letzte Mal im 4. Jh. verwendet. Aus dem 5. Jh. stammt der letzte antike Text eines Priesters, der noch etwas über die ägyptische Religion und Hieroglyphen zu sagen hatte, Horapollo. Der letzte ägyptische Tempel wird im 6. Jh. geschlossen – es ist kein Amuntempel. Zu dieser Zeit war Ägypten fast vollständig christianisiert, bevor bald darauf im Zuge der islamischen Expansion die meisten Einwohner Ägyptens schrittweise zum Islam konvertierten. Von dem Gott Amun findet sich in dieser Zeit keine Spur mehr. Hieroglyphen und die alten Schriften der Ägypter, auch die altägyptischen Schreibschriften, das Hieratische und das Demotische, konnte in dieser Zeit niemand mehr lesen. Alleine die koptische Schrift, die ägyptische Version des griechischen Alphabets, lebte in der koptischen Kirche weiter, die weiterhin die koptische Sprache verwendete – die jüngste Form des Altägyptischen. Hier hat sich Amun in der Form „Amoun“ als Personenname gehalten, sogar einen Heiligen dieses Namens gibt es in der koptischen, also der christlichen, ägyptischen Kirche, die übrigens bis heute als Oberhaupt einen eigenen Papst besitzt. Anzeichen dafür, dass über diesen Weg der Name des Gottes Amun zum Namen eines Dämonen in Mitteleuropa geworden ist, finden sich jedoch keine.

Amons überall!

Wenn eine Verbindung zwischen den beiden besteht, dann ist sie praktisch nur über die antike griechische und römische Literatur denkbar, die auch im Mittelalter und der frühen Neuzeit in Europa, jedenfalls in Teilen, weiterhin bekannt war. Allerdings findet sich keine Quelle, kein Beleg worüber sich der altägyptische Gott mit dem Dämon verbinden ließe. Erst Jaques Collin de Plancy behauptet, wie bereits gesehen, diese Verbindung: Im 19. Jh. in einer Zeit der Ägyptenbegeisterung. Erschwerend kommt noch hinzu, dass ähnliche Begriffe aus anderen Sprachen existieren. Die Bibel erwähnt ein eigenes Reich namens Ammon, deren Bewohner entsprechend Ammoniter genannt werden. Der oberste Gott von Karthago hieß Baal-Hammon. In beiden Fällen ist die Namensherkunft umstritten. Sicher nicht mit dem ägyptischen Gott verwandt ist der hebräische Vorname Amon, der mehrfach in der Bibel vorkommt. Und so verwundert es vielleicht nicht, dass das bereits erwähnte große Universallexikon aus dem 18. Jh., der Zedler, gleich mehrere „Ammons“ und „Amons“ oder „Hamons“ kennt: Ammon, ein Sohn Simeons; Ammon, ein Sohn Lots; Ammon, ein kleiner Fluß in der Wüsten Barca in Africa; Ammon, ein GOtt bei denen AEgyptieren; Ammon, hat anno 249 die Märtyrer-Crone erhalten; Ammon, war ein Abt zu Thebais; Ammon war ein Bischoff zu Tortona; Ammon, welcher den Zunamen Scitiothes führte; Ammon, war ein Abt; Ammon, wird zu den Heiligen der Stadt Atella verehret; Ammon, Märtyrer, Ihr Andenken geschieht den 9. Febr.; Ammon, Märtyrer, 14. Febr.; Ammon, erlangte am 20  Decembr. Die Märtyrer-Crone; Ammon, ein Märtyrer auf der Insul Cypern; Ammon, unterschiedene Alexandrinische Märtyrer; Ammon, ander Märtyrer; Amon, der XVIIte König in Juda; Amon, Herrscher über die Stadt Samarien; Amon, ein Sohn Masse und König von Juda; Amon oder Ami heißet ein Israelite; Hamon, eine Stadt; Hamon, ein Medicus, …

In anderen Worten, an Ammons in diversen Formen und Farben mangelte es nun wirklich nicht im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit in Europa und nur einer davon war der altägyptische Gott. Es kann natürlich sein, dass der Dämon, den man, wie wir gesehen haben, frühestens im 15. Jh. schriftlich nachweisen kann, seinen Namen ausgerechnet von dem ägyptischen Gott hat – aber dann wohl nicht viel mehr als das, denn Ähnlichkeiten haben die beiden nun wirklich nicht: Ein Widder ist kein Wolf und der menschengestaltige, altägyptische Amun hatte so gar nichts von einer Eule. Der altägyptische Gott befehligte auch keine 40 Legionen und spie kein Feuer. Lediglich die Aussage, er sei machtvoll und er kenne die Vergangenheit und die Zukunft passt sowohl zum Dämon, als auch zum altägyptischen Gott, war Amun doch zeitweise der höchste der ägyptischen Götter und hatte er doch auch ein bekanntes Orakel in Siwa. Reicht das aber aus um zu sagen, die beiden Wesen sind ein und dasselbe? Oder handelt es sich um Zufallstreffer? Schließlich sind diese beiden Aussagen auch nicht gerade spezifisch. Ganz ähnlich wie Horoskope, die auch so geschrieben sind, dass sie auf möglichst viele Menschen passen. Und vergessen wir nicht, dass der eine ein Gott in Ägypten und Umgebung war, der spätestens im 6. Jh. weitgehend verschwunden war, der andere ein Dämon, der frühestens im 15. Jh. in Mitteleuropa auftaucht, beides höchstens verbunden über antike griechische und römische Texte, die den Namen und eine Hand voll Aussagen zu dem altägyptischen Gott überliefert haben, begleitet von vielen anderen Texten mit ähnlichem Namen aber ohne Bezug zu diesem Gott.

Ist Amun also gleich Aamon?

Zu welchem Ergebnis kommen wir nun also, nachdem wir kurz ein wenig historisch wissenschaftlich gearbeitet und uns die Quellen und Fakten angesehen und sie interpretiert haben? Nun, das Ergebnis ist nicht so eindeutig wie man es vielleicht gerne hätte oder aus den Naturwissenschaften kennt. Unser Ergebnis lautet: eine Verwandtschaft zwischen dem Dämon Aamon und dem Gott Amun lässt sich nicht nachweisen. Möglich ist eine indirekte Beeinflussung der Gestalt des Dämons Aamon durch den altägyptischen Gott Amun über antike griechische und römische Schriften, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit bekannt waren und aus denen vielleicht die ein oder andere Eigenschaft und vielleicht der Name auf den Dämon übergegangen sein könnten. Da die beiden Wesen im Kern aber deutlich verschieden sind, muss man sie als zwei unterschiedliche Figuren behandeln. Die Aussage, der Dämon und der Gott sind identisch, ist damit schlicht historisch falsch.

Beitrag von: ABBAndy

DNA-Studie gibt Hinweise auf hohe soziale und politische Macht inselkeltischer Frauen in Südengland

Neue Forschungsergebnisse belegen, dass inselkeltische Frauen im Südengland der Eisenzeit nach der Heirat nicht ihr Zuhause verließen, sondern die Männer zu ihnen zogen (Matrilokalität). Die DNA-Studie von Lara Cassidy vom Trinity College Dublin und ihren Kollegen zeigt auf, dass die meisten getesteten Personen beider Geschlechter Vorfahren mütterlicherseits hatten, eine Untergruppe, hauptsächlich Männer, jedoch genetisch nicht näher verwandt war. Das deutet darauf hin, dass hier das System der Matrilokalität angewendet wurde, die Männer also von außerhalb in den Haushalt der Frauen einzogen, nicht umgekehrt. Dieses System räumt Frauen üblicherweise eine entscheidendere Rolle bei der Kontrolle von Eigentum, Handel und in sozialen Strukturen ein.

Archäologische Funde und historische Aufzeichnungen weisen schon seit langem auf einen im Vergleich zur klassisch griechischen und römischen Antike höheren Status von Frauen in zumindest einigen der sehr diversen Gruppen, die unter den Sammelbegriffen „keltisch“ und „inselkeltisch“ fallen, hin. Verallgemeinert werden können diese Ergebnisse jedoch nicht. „There was no one-size-fits-all social structure for prehistory“, sinngemäß „In der Vorgeschichte gab es keine Einheitsgröße sozialer Strukturen, die allen Gruppen gepasst hätte“, sagt dann auch die Archäologin Rachel Pope von der Universität von Liverpool. Die Entdeckungen zeigen jedoch, wie vielfältig antike Gesellschaften waren und welchen Stellenwert Frauen in zumindest einigen davon inne hatten.

Quelle:sciencenews.org – article by Bruce Bower

Beitrag von: Adelfina (Satanic Austria), übersetzt aus dem Englischen, überarbeitet von ABBAndy

Paimon präsentiert: Die Widerstandsfähigkeit gegen Falschinformationen stärken

Der Kampf gegen Falschinformationen ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Was wäre, wenn wir unsere Fähigkeit verbessern könnten, Falschinformationen zu widerstehen? Neue Forschungsergebnisse aus Oxford, Cambridge und anderen Universitäten haben einen wirksamen Weg gefunden, Menschen dabei zu helfen – und das Geheimnis liegt im Gedächtnis! Genauso wie medizinische Auffrischungsimpfungen die Immunität stärken, können psychologische „Auffrischungsimpfungen“ unsere Fähigkeit stärken, falsche Informationen im Laufe der Zeit zu erkennen und verwerfen. Die Forscher fanden heraus, dass alle drei getesteten Interventionsarten hilfreich waren, um die Informationskompetenz sowie die Fähigkeit, falsche Informationen zu erkennen und zurückzuweisen, zu verbessern: textbasierte Nachrichten, die gängige Taktiken der Desinformation erklären, Videos, die Strategien der emotionalen Manipulation aufdecken, und interaktive Spiele, in denen Nutzer gefälschte Nachrichten erstellen, um zu lernen, wie sich Falschinformationen verbreiten. Leider lässt die Wirksamkeit dieser Methoden mit der Zeit nach. Gedächtnisfördernde Nachbereitungsmaßnahmen wie Erinnerungs- oder Vertiefungsübungen halfen den Menschen jedoch, diese Fähigkeiten viel länger beizubehalten. Diese Forschung kann für die öffentliche Bildung, die digitale und mediale Kompetenz, sowie die Prävention gegen Falschinformationen wegweisend sein. Durch die Einbindung gedächtnisfördernder Techniken in Schullehrpläne und Bildungsprogramme können wir eine besser informierte und widerstandsfähigere Gesellschaft aufbauen!

Quelle:New research reveals psychological ‘booster shots’ can strengthen resistance to misinformation

Beitrag von: Adelfina (Satanic Austria), übersetzt aus dem Englischen

Aufwachsen mit zwei bis sechs Sprachen

Sprache prägt die Art und Weise, wie wir denken, miteinander in Verbindung treten und die Welt verstehen. Forschende der Universität Potsdam haben in Ghana eine neue Studie durchgeführt, die sich mit dem Phänomen der Mehrsprachigkeit in Afrika befasst. Die Forscher fanden heraus, dass Babys (im Alter von drei bis zwölf Monaten) in Ghana dank der vielfältigen Gemeinschaften, in denen sie aufwachsen, regelmäßig zwei bis sechs Sprachen von bis zu sechs betreuende Personen hören. Die Studie beleuchtet zudem das direkte im Vergleich zum indirekten Sprachenlernen: Lokale Sprachen werden durch direkte Interaktion mit Familienmitgliedern, Nachbarn und anderen Betreuern erlernt, während Englisch oft indirekt über Medien und offizielle Kommunikation aufgenommen wird. Die Studie weitet den Blick auf das Thema Sprachenlernen insofern, als dass bisherige Studien westlicher Industrieländer üblicherweise den Fokus auf Sprachvermittlung durch eine Hauptbezugsperson legten, die üblicherweise nur eine Sprache vermittelt. Demgegenüber hebt sie das reichhaltige sprachliche Umfeld hervor, in dem viele afrikanische Kinder aufwachsen, und betont, dass Mehrsprachigkeit nicht nur ein Vorteil, sondern auch wesentlicher Bestandteil von Identität und sozialer Realität von Kindern ist.

Quelle: How many languages can you learn at the same time? – Ghanaian babies grow up speaking two to six languages

Beitrag von: Adelfina (Satanic Austria), übersetzt aus dem Englischen

Letzte Überarbeitung: Juni 2026