Die Walpurgisnacht, die wir als Hexennacht begehen, ist für uns ein Gedenktag für die Opfer von Aberglauben und Pseudowissenschaft. Aus diesem Anlass riefen wir in diesem Jahr zu einer Gedenkdemonstration in Tecklenburg auf. Der Humanistische Pressedienst berichtete über unseren Aufruf:
https://hpd.de/artikel/gedenkdemonstration-fuer-opfer-hexenverfolgung-24023
Tecklenburg wurde als Veranstaltungsort ausgewählt, nicht nur, weil es das nördlichste Bergstädtchen Deutschlands ist, sondern auch, weil es der Sterbe- und Begräbnisort von Johann Weyer war. Der Arzt und Humanist, auch unter dem Namen Johannes Wier bekannt, gehörte bereits im 16. Jahrhundert zu den frühesten und entschiedensten Kritikern der Hexenprozesse. Entsprechend begann unsere Gedenkdemonstration zum Sonnenuntergang am Wierturm auf der Burgruine Tecklenburg. Dort wurde in einem Redebeitrag von einem Fall von Hexenpanik berichtet, der sich zunächst wie ein typisches Beispiel aus der frühen Neuzeit anhörte. Tatsächlich ereignete er sich jedoch in der Bundesrepublik der 1960er Jahre. Anschließend führte unser Demonstrationszug zur evangelischen Stadtkirche, in der Johann Weyer begraben liegen soll. Der genaue Ort seines Grabes ist jedoch unbekannt.
Vor der Kirche wurde ein Redebeitrag über Weyers Leben und Wirken verlesen. Er ging nicht nur als Gegner der Hexenverfolgung in die Geschichte ein, sondern auch als Autor der „Pseudomonarchia Daemonum“. Darin beschreibt er zahlreiche Dämonen in Form einer satirischen Hierarchie, die sich über die geradezu bürokratische Ordnung der Dämonologie seiner Zeit lustig macht. Ironischerweise diente die Pseudomonarchia Daemonum später als Vorlage für durchaus ernst gemeinte Grimoires wie die Ars Goetia. Eine Aufzeichnung des Redebeitrags ist hier zu hören:
Am Maifeiertag bildete das jungsteinzeitliche Megalithgrab Lengerich-Wechte die eindrucksvolle Kulisse für ein Ritual. An dieser vorgeschichtlichen Kultstätte leitete Congregation Head Ministra Laura Inglorion ein Gedenken an die Tausenden von Menschen, die während der Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit ihr Leben verloren. Anschließend wanderten wir gemeinsam mit einigen lieben Ziegen vom Gut Hülshoff über den Hexenpfad durch den Teutoburger Wald. Ziegen galten seit der Antike und insbesondere im mittelalterlichen Christentum als Tiere des Teufels, weil sie mit Wildheit, Sexualität und Ungehorsam assoziiert wurden. In der Bibel stehen sie den „Schafen der Gerechten“ gegenüber, und ihr gehörntes, bocksbeiniges Erscheinungsbild – nicht zuletzt beeinflusst durch die Dämonisierung des griechischen Hirtengottes Pan – prägte die spätere Darstellung des Teufels.
Zum Abschluss des Wochenendes nahmen wir an einer Stadtführung durch das nahe gelegene Osnabrück zum Thema Hexenverfolgung teil. Im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einer regionalen Hochburg der Hexenverfolgung, in der zahlreiche Prozesse und Hinrichtungen stattfanden. Außerdem besichtigten wir das Rathaus des Westfälischen Friedens.
Autor: Citoyen Jan Beltzamer
