Rückblick Tempeltag 2025

Zweiter Satanischer Tempeltag in Hannover

Wie schon bei unserem ersten Satanischen Tempeltag in Erfurt im Jahr zuvor war auch unser zweiter Satanischer Tempeltag nur durch die zahlreichen Spenderinnen und Spender unserer GoFundMe-Kampagne möglich. Danke dafür! Während wir unseren Tempeltag 2024 im Vorfeld des Katholikentages abhielten, traten wir in diesem Jahr parallel zum Evangelischen Kirchentag in Erscheinung. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte uns bereits im Vorfeld als „eher exotische Gruppierung“ angekündigt:

https://www.rnd.de/politik/evangelischer-kirchentag-in-hannover-zwischen-volksfest-und-spirituellem-sommermaerchen-6GBMPWM7H5EKRON5KUU6CZMTLY.html

Da der Kirchentag bereits am 30. April begann – jener Nacht, die The Satanic Temple als Hexennacht begeht und den Opfern von Aberglauben und Pseudowissenschaft widmet –, lag es nahe, bereits an diesem Abend eine Gedenkkundgebung in Hannover abzuhalten. Dies taten wir an einem authentischen Ort: vor dem Beginenturm, der in der frühen Neuzeit Teil der Stadtmauer war und unter anderem auch als Gefängnis für vermeintliche Hexen diente. In Redebeiträgen wurden die geschichtlichen Zusammenhänge der Hexenverfolgung, die unrühmliche Rolle Martin Luthers hierbei und die spezifische Situation in Hannover thematisiert. Zugleich erinnerten wir an aktuelle Formen der Hexenverfolgung im Globalen Süden sowie an Parallelen zu hiesigen Verschwörungserzählungen wie der Satanic Panic.

Ein Ausschnitt der Kundgebung ist bei unseren Freunden von der „British Associated Fellowship of Satan“ zu sehen:

Neben ihnen waren auch Freundinnen und Freunde von TST Benelux und Satanic Austria bei unserem Tempeltag vor Ort.

Die zahlreichen Teufelslegenden, die im nahe Hannover gelegenen Deister spielen, waren eine große Verlockung, hier am Maifeiertag gemeinsam zu wandern und Rituale unter freiem Himmel abzuhalten. Wir traten in des Satans Fußstapfen am Teufelssprung und begaben uns über die Teufelskanzel zur Alten Taufe, wo der Sage nach einst heidnische Germanen Menschenopfer dargebracht haben sollen – eine Erzählung, die heute überwiegend als christliche Propaganda gilt. Am Tag darauf statteten wir der Wotan-Skulptur hinter dem Niedersächsischen Landesmuseum in Form eines Flashmobs einen Besuch ab. Unter dem Motto „Hail Odin!“ führten wir so mitten im Kirchentag eine augenzwinkernde Aktion durch, die die Austauschbarkeit des Göttlichen thematisierte.

Das eigentliche Highlight des Zweiten Satanischen Tempeltages war jedoch die große Kundgebung auf dem Ernst-August-Platz, die von rund 50 Menschen besucht wurde. Die Kirchentagspräsidentin Anja Siegesmund war bereits zuvor von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung nach ihrer Sicht auf unsere Kundgebung gefragt worden und entgegnete: „Ich bin sehr dankbar, dass wir in einem freien Land leben.“

https://www.haz.de/lokales/hannover/kirchentag-in-hannover-das-sagen-religionskritiker-und-satanisten-EXDTOTXFPBCDXE7AMYNSYNBJ5I.html

Dem können wir uns nur anschließen. Und mögen hinzufügen: Dies verdanken wir nicht der evangelische Kirche.

Im Fokus der Kundgebung stand die Tatsache, dass der Evangelische Kirchentag rund 12 Millionen Euro aus öffentlichen Kassen erhalten hatte. Nicht, dass TST Germany einer Förderung religiöser Veranstaltungen grundsätzlich ablehnend gegenüberstünde – wir wünschen uns jedoch mehr Verteilungsgerechtigkeit. Die christlichen Kirchen sind inzwischen zu einer Minderheit geworden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, sie verfügten über ein Monopol auf Religion. Doch wir wären nicht The Satanic Temple, wenn wir diese Botschaft nicht auch symbolisch auf die Bühne gebracht hätten: Calfomet, dem Goldenen Kalb nachempfunden, steht vor allem für eines: Hail Mammon!


Ein freundlicher Podcaster des Formats „Ausgeglaubt“ wohnte unserer Kundgebung bei und berichtete anschließend über den Tempeltag:

https://www.reflab.ch/kirchentag-und-satansbrut

„Ausgeglaubt“ gehört zum RefLab (kurz für „Reformiertes Labor“), das sich selbst als „digitales Lagerfeuer für spirituelle Nomad und Entdecker“ bezeichnet und eine Initiative der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich ist. Wir werden dort zwar als „angsteinflößende Truppe“ beschrieben, zugleich aber auch als „ausnehmend freundliche Menschen“ mit „berechtigten Anliegen“. Damit können wir gut leben.

Den Abschluss des Zweiten Satanischen Tempeltages bildeten ein rauschendes Fest und ein Initialisierungsritual. Einen Gesamteindruck der vier Tage vermittelt unser Video:

Autor: Citoyen Jan Beltzamer